Vertikale oder automatische Kartonpresse: Ein Leitfaden zur Auswahl

Kartonpressen können vertikal oder automatisch betrieben werden, wobei die Wahl zwischen den beiden Varianten von mehr als nur dem Abfallvolumen abhängt. Beispielsweise spielen auch die Art der Kartonherstellung, die Entsorgungshäufigkeit, der verfügbare Platz und der bereits vorhandene Automatisierungsgrad im Unternehmen eine Rolle.

In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise in einem kleinen Lager eine Vertikalballenpresse alles bietet, was zur Platzersparnis und besseren Abfallentsorgung benötigt wird. In einem großen Logistik- oder Distributionszentrum hingegen ist der Materialfluss oft so kontinuierlich, dass eine automatische Maschine, die Material mit weniger Bedienereingriff entgegennehmen kann, kostengünstiger ist.

Der Unterschied liegt daher nicht einfach in der Unterscheidung zwischen einer “kleinen” und einer “großen” Lösung: Vertikale und automatische Systeme entsprechen zwei unterschiedlichen Ansätzen zur Organisation der Kartonverarbeitung. Zu verstehen, welche der beiden Lösungen für den jeweiligen Prozess am besten geeignet ist, ist der erste Schritt, um sowohl eine zu kleine Maschine als auch eine übermäßige Investition zu vermeiden.

Vertikale Kartonpresse: Funktionsweise und optimale Einsatzzeitpunkte

Die vertikale Kartonpresse ist eine der beliebtesten Lösungen für all jene Unternehmen, die mittlere bis niedrige oder mittelhohe Mengen an Verpackungen produzieren, ohne über einen vollständig kontinuierlichen Materialfluss zu verfügen.

Die Bedienung ist relativ einfach. Der Bediener gibt das Material in die Ladekammer, startet den Zyklus, und eine Platte presst den Karton vertikal zusammen. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis die benötigte Menge für den Ballen erreicht ist. Anschließend wird der Ballen verschnürt und ausgeworfen.

Einer der Hauptvorteile ist seine Kompaktheit. Eine Vertikalballenpresse kann in der Nähe des Produktions- oder Entsorgungsbereichs der Verpackungen installiert werden, wodurch Materialbewegungen innerhalb des Werks reduziert werden. Auch die Bedienung ist relativ einfach, da kein vollautomatisches Zuführsystem benötigt wird.

All dies macht die vertikale Kartonpresse zur idealen Lösung für große Geschäfte, Produktionsbetriebe, Lagerhallen, Labore und Logistikzentren, deren Durchsatz nicht hoch genug ist, um ein automatisches System zu rechtfertigen.

Die Einschränkung wird besonders deutlich, wenn die Kartonmenge zunimmt. Jeder Zyklus erfordert einen gewissen menschlichen Eingriff. Müssen die Bediener die Ballenpresse nahezu kontinuierlich befüllen, kann der Zeitaufwand für die Abfallbewirtschaftung die Produktivität beeinträchtigen.

Automatische Kartonpresse: Wenn sich das Volumen ändert, ändert sich der Prozess

Eine automatische Kartonpresse arbeitet nach einer anderen Logik und ist für all jene Situationen konzipiert, in denen Abfall nicht nur gelegentlich anfällt, sondern in einen echten kontinuierlichen Strom gerät.

In diesen Fällen besteht das Problem nicht nur darin, das Material zu komprimieren, sondern auch darin:

  • verhindern, dass sich Kartons und Verpackungsmaterialien anhäufen;
  • manuelle Eingriffe reduzieren;
  • sicherstellen, dass die Maschine mit dem Tempo der Logistik oder Produktion mithalten kann.

Automatische Systeme können mit verschiedenen Lösungen betrieben werden und je nach Maschine automatisierte Ballenverdichtungs-, Formations- und gegebenenfalls Bindeprozesse integrieren.

Der Vorteil wird deutlich, wenn man die Arbeitszeiten betrachtet: Die Verringerung der Anzahl manueller Arbeitsgänge bedeutet, dass die Mitarbeiter von einer sich wiederholenden Aufgabe befreit werden und die Abfallentsorgung kontinuierlicher gestaltet wird.

Aber die Menge ist nicht das einzige Kriterium für die Auswahl

Die zu verarbeitende Materialmenge ist natürlich einer der ersten Faktoren bei der Auswahl einer Kartonpresse. Sich allein darauf zu beschränken, kann jedoch zu einer unvollständigen Beurteilung führen. Anders ausgedrückt: Zwei Unternehmen produzieren zwar die gleiche Menge Karton über den Tag verteilt, aber auf sehr unterschiedliche Weise: Das eine Unternehmen verarbeitet ihn gleichmäßig über acht Betriebsstunden, das andere konzentriert ihn in wenigen Augenblicken, beispielsweise beim Entladen.

Daher ist auch die Reaktion auf die jeweilige Anforderung unterschiedlich. Im ersten Fall kann ein System, das das Material kontinuierlich aufnimmt, wichtig sein. Im zweiten Fall kann eine ausreichend dimensionierte Vertikalpresse problemlos Produktionsspitzen bewältigen.

Daher ist es wichtig, neben der Gesamtmenge auch die Häufigkeit und Konzentration der Materialströme zu berücksichtigen. Auch die Zeit, die die Bediener für das Beladen der Maschine aufwenden können, spielt eine wirtschaftliche Rolle. Werden täglich mehrere Stunden allein für das Bewegen, Einlegen und Komprimieren von Kartons aufgewendet, kann die Automatisierung – unabhängig vom reinen Abfallvolumen – einen messbaren Nutzen bringen, indem sie die Arbeitseffizienz steigert und Ausfallzeiten reduziert.

Vertikale Kartonpresse: BP28 als Referenz Effe3Ti

Ein Beispiel für eine vertikale Kartonpresse ist im Katalog aufgeführt. Effe3Ti ist der BP28, eine vertikale Kammerpresse, die für Unternehmen entwickelt wurde, die größere Materialmengen verarbeiten müssen, ohne unbedingt einen automatisierten Prozess zu benötigen.

Die BP28 erzeugt eine Presskraft von 280 kN, was etwa 28 Tonnen entspricht, und absolviert einen Zyklus in ca. 48 Sekunden. Der Einfülltrichter misst 1190 x 555 mm, die Ballen wiegen bis zu 320 kg und haben Abmessungen von 1200 x 800 x 800 mm. Neben Papier und Karton verarbeitet die Maschine auch Kunststofffolien, PET und Dosen.

Der Bediener behält die Kontrolle über die Materialzufuhr und kann die Presse entsprechend dem tatsächlichen Produktionsrhythmus der Abteilung steuern. Daher eignet sich die BP28 für Unternehmen mit großen, aber schwankenden Produktionsmengen, bei denen die Installation eines automatischen Systems unnötige Komplexität mit sich bringen würde.

Automatischer Kartonverdichter: BaleTainer für große Mengen

Auf der automatischen Seite ein Verweis im Katalog Effe3Ti ist BaleTainer, ausgelegt für die Verarbeitung großer Mengen an Materialien wie Papier, Karton, Folie und PET.

Die Ballenpresse entwickelt eine Kraft von 600 kN und kann Ballen mit einem Gewicht von bis zu ca. 400 kg produzieren. Eine ihrer Besonderheiten ist die automatische Garnbindung: Sobald das Material die gewünschte Konsistenz erreicht hat, wird der Ballen ohne die für Vertikalballenpressen typischen manuellen Arbeitsschritte vorbereitet.

Die Materialzufuhr kann manuell oder automatisiert erfolgen, wodurch die Maschine an das Layout und die Produktionsmenge angepasst werden kann. BaleTainer reduziert Volumina bis hin zur 90% und ermöglicht einen kontinuierlichen Betrieb.

Wann sollte man von Vertikal- auf Automatikbetrieb umschalten?

Es gibt keinen allgemeingültigen Schwellenwert, ab dem eine vertikale Kartonpresse durch eine automatische ersetzt werden sollte. Es gibt jedoch einige recht eindeutige Betriebssignale:

  • Das erste Problem ist die häufige Ansammlung von unverdichtetem Karton. Wenn die Ballenpresse mit dem Tempo der Materialproduktion nicht mithalten kann, bedeutet dies, dass die tatsächliche Kapazität des Systems nicht mehr ausreicht;
  • Der zweite Punkt betrifft das Personal. Wenn die Bediener einen erheblichen Teil ihrer Schicht mit dem Be- und Entladen sowie dem Bedienen der Presse verbringen, ist eine Automatisierung in Betracht zu ziehen;
  • Ein drittes Signal ist das Unternehmenswachstum. Ein Lager, das die Anzahl der Bestellungen stetig erhöht, eine Vertriebskette, die ihre Warenströme ausweitet, oder eine wachsende Produktionsabteilung können einen Punkt erreichen, an dem die Beibehaltung der manuellen Verwaltung zunehmend unwirtschaftlich wird.

Auch die Notwendigkeit der Kontinuität spielt eine Rolle. Wenn ständig Pakete eintreffen und nicht zwischengelagert werden können, bis ein Mitarbeiter eingreift, wird die Automatisierung zu einem integralen Bestandteil der Abteilungsorganisation.

Kartonpresse: Auswahl der Maschine ausgehend vom Prozess

Die Wahl zwischen einer vertikalen und einer automatischen Kartonpresse hängt von Ihrer Abfallentsorgung ab. Eine vertikale Lösung wie die BP28 ist ideal, wenn hohe Verdichtungsleistung erforderlich ist, der Materialfluss aber weiterhin manuell gesteuert werden kann. Eine automatische Maschine wie der BaleTainer hingegen ist attraktiver, wenn hohes Volumen und kontinuierliche Verarbeitung einen stabilen Verdichtungsprozess erfordern, der weniger von manuellen Eingriffen abhängig ist.

Es ist daher nicht korrekt, die größte oder am stärksten automatisierte Druckmaschine automatisch als die beste anzusehen. Im Gegenteil, eine übergroße Maschine Es kann unnötige Kosten und Komplexität verursachen. Eine zu kleine Lösung kann den Prozess ebenfalls verlangsamen.

Es bedarf einer umfassenden, übergreifenden Bewertung: Materialproduktion, Arbeitsspitzen, verfügbare Fläche, Lohnkosten, Ballengewicht und Wachstumsaussichten müssen gemeinsam betrachtet werden. Aus dieser Analyse, und nicht aus einzelnen technischen Merkmalen, ergibt sich die effizienteste Lösung für das Unternehmen.

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